BEETHOVEN IN BADEN

- BEITRAG

Ludwig van Beethoven

Beethoven (geb. 17.12.1770, Bonn – 26.03.1826, Wien) führte bereits seine Studienzeit nach Wien, wo er in späterer Folge in seiner ersten Schaffensperiode in Österreich unvergessliche Werke schuf, wie etwa die “Mondscheinsonate”. Heute wird er zu Recht als Vollender der Wiener Klassik und als Wegbereiter der Romantik bezeichnet.

In Baden bei Wien steht das sogenannte Beethovenhaus, ein ehemaliges Kupferschmiedhaus, welches das Beethovenmuseum beherbert, und das auch als “Haus der Neunten” bezeichnet wird.
Derzeit werden die Räumlichkeiten restauriert. Ende Oktober 2014 wird die Wiedereröffnung unter dem Titel “baden@beethoven” gefeiert.1

In den Jahren 1821 bis 1825 verweilte Beethoven mitunter in Baden, so auch im “Haus der Neunten” wo er unter anderem an der “Missa solemnis” und an der “9. Sinfonie” arbeitete, welche seine letzte vollendete Symphonie sein sollte.
Der letzte Satz des Werkes mit der Vertonung des Gedichtes “Ode an die Freude” von Friedrich Schiller, war erstmalig in einer Sinfonie so gestaltet, dass sowohl Gesangssolisten als auch ein gemischter Chor auftraten.2 Dieser Satz wurde im Jahre 1985 als Hymne von der Europäischen Gemeinschaft angenommen. Man befand, die Hymne versinnbildliche in idealer Weise die Werte, die alle teilen, sowie die Einheit in der Vielfalt, wobei man sich dafür entschied zugunsten der Universalität der Musik auf einen Text zu verzichten und die rein instrumentale Form zu verwenden.3

Beethoven verbrachte bekanntlich viel Zeit im Wienerwald, im Gebiet des Anningers, in Mödling, Hinterbrühl, Baden, wo er gerne verweilte, innehielt und Kraft tankte – in einer Zeit, wo sein Hörverlust bereits weit fortgeschritten war.
Einer seiner liebsten Plätze war das Helenental, wo er regelmäßig Spaziergänge unternahm. Wenn man den Schwechatbach entlanggeht, Richtung Krainerhütte, so kommt man auch zum sogenannten “Beethovenstein”, wo sich Beethoven oft aufgehalten haben soll und sich von der Natur inspirieren liess.

Der  Beethovenwanderweg  in Baden beträgt 18,1 km und führt in einem Zeitraum von etwa 71/2 Stunden Fußwanderung zu einigen geschichtsträchtigen Plätzen in romantischer Natur, bei einem zu bewältigenden Höhenunterschied von etwa 600 Metern.
(Stationen: Baden (232m) – Helenental – Cholerakapelle – Beethovenstein – Steinige Rast – Steiniger Weg – Hoher Lindkogel (Schutzhaus “Eisernes Tor”, 834m) – Brennersteig – Jägerhaus – Königshöhle – Ruine Rauheneck – Baden)

Beethovenstein Baden

Einige Zitate:

“Hier sitze ich oft stundenlang und meine Sinne schwelgen in dem Augenblick der empfangenden und gebärenden Kinder der Natur. Hier verhüllt mir die majestätische Sonne kein von Menschenhänden gemachtes Dreckdach, der blaue Himmel ist mein sublimes Dach.” (Frühling 1804,  Baden)

“Ist es doch, als ob jeder Baum zu mir spräche auf dem Lande: Heilig, heilig! – Im Walde Entzücken! Wer kann alles ausdrücken! – Süsse Stille des Waldes! … Der Wind, der beim zweiten schönen Tag schon eintritt, kann mich nicht in Wien halten, da er mein Feind ist.” (Sommer 1806, Baden)

“…wo es zwar noch sehr leer an Menschen ist. Aber desto voller angefüllter und in Überfluss und hinreissender Schönheit prangt die Natur.” (Sommer 1813, Brief an Erzherzog Rudolf, nach Ankunft in Baden)

“Wie froh bin ich, einmal in Gebüschen, Wäldern, unter Bäumen, Kräutern, Felsen wandeln zu können. Kein Mensch kann das Land so lieben wie ich. Geben doch Wälder, Bäume, Felsen den Widerhall, den der Mensch wünscht…” (Frühling 1815, in Baden, in einem Brief an Therese Malfatti)

“Allmächtiger im Walde! Ich bin selig, glücklich im Wald; jeder Baum spricht durch dich. O Gott! welche Herrlichkeit! In einer solchen Waldgegend, in den Höhen ist Ruhe, Ruhe, ihm zu dienen.” (1815, Eintrag ins Tagebuch)

“Gott ist immateriell, deswegen geht er über jeden Begriff; da er unsichtbar ist, so kann er keine Gestalt haben. Aber aus dem, was wir von seinen Werken gewahr werden, können wir schliessen, dass er ewig, allmächtig, allwissend und allgegenwärtig ist. Was frei ist von aller Lust und Begier, dass ist der Mächtige, er allein. Kein Grösserer ist als er…” (1814, Eintrag ins Tagebuch)

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1Website der Stadt Baden: Beethovenhaus “Haus der Neunten”. URL: http://www.baden.at/visitenkarte/beethovenh.html (abgerufen 10. April 2014)

2Website der Staatsbiliothek zu Berlin: Beethoven Digital. Originalpartitur von Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie. URL: http://beethoven.staatsbibliothek-berlin.de/   (abgerufen 10. April 2014)

3 Website der Europäischen Union: Die Hymne der europäischen Union. URL: http://europa.eu/about-eu/basic-information/symbols/anthem/index_de.htm (abgerufen 10. April 2014)

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Foto Beethovenhaus: einst und jetzt. Links: das ehemalige Kupferschmiedhaus in der Rathausgasse (Foto: Johann Werfring). Rechts: Radierung von Theodor Weiser (19. Jht.).